Home Blog Wie wir es zum Teil unserer Kultur gemacht haben, an WordPress mitzuwirken

Wie wir es zum Teil unserer Kultur gemacht haben, an WordPress mitzuwirken

Avatar von Karin Christen
Karin hält einen Vortrag auf der Bühne beim WordCamp Europe in Krakau 2026

Ein Rückblick auf unseren Lightning Talk beim WordCamp Europe 2026 in Kraków, und die Geschichte dahinter.

Es war 2013. Wir gründeten required, eine kleine WordPress-Agentur in der Schweiz, und reisten noch im selben Jahr nach Leiden zum allerersten WordCamp Europe. Dieses Wochenende hat etwas in uns ausgelöst: Wir wollten nicht nur mit WordPress bauen, wir wollten auch etwas zurückgeben.

Das klingt einfach. Eine lange Zeit war es das auch. Und dann, plötzlich, nicht mehr.

Von der Inspiration zur Gewohnheit

2014 wurde die Idee von „Five for the Future“ ins Leben gerufen. Unternehmen sollten 5 % ihrer Kapazität in das WordPress-Projekt investieren. Wir haben diese Idee sofort intern übernommen. Wir haben zum Beispiel sogar beim ersten WordCamp Switzerland mitgeholfen, das uns die Community aus einem völlig anderen Blickwinkel zeigte, nicht als Teilnehmende, sondern als Teil der Infrastruktur.

In den folgenden Jahren haben wir gezielt Personen aus der WordPress-Community eingestellt: Entwicklerinnen und Entwickler, die WordPress-Core-Tickets bereits kannten, die verstanden, wie Trac funktioniert, und WordCamps organisiert hatten. Damals ist der Beitrag zur Community fast von selbst entstanden.

Bis 2020.

Das stille Verblassen

Wegen der Pandemie sind die physischen WordCamps ausgefallen, Veranstaltungen haben sich ins Netz verlagert, und wir haben begonnen, ausserhalb der Community einzustellen. Beides war für sich genommen kein Problem, aber zusammen hat es dazu geführt, dass unser natürlicher Beitragsrhythmus langsam nachgelassen hat. Die Arbeit für Kundschaft übernimmt jeden freien Raum, wenn man ihn nicht aktiv schützt. Das haben wir am eigenen Leib gespürt.

Im Jahr 2024 wurde uns klar: Diese Contributions entstehen nicht von selbst. Wir müssen bewusst dafür sorgen.

Interne Contributor Days: eine einfache Idee mit grosser Wirkung

Die Lösung war weniger aufwendig, als wir erwartet hatten. Einmal im Monat blockieren wir einen halben Tag für diese Contributions. Keine Kundenprojekte. Einfach das Team, gemeinsam, an WordPress arbeitend.

Wir schauen im Voraus, welche Aufgaben anstehen: Gutenberg-Testing, Core-Tickets, Dokumentation, UX-Feedback und Übersetzungen. Oft kommen unsere Themen direkt aus der Projektarbeit, Fehler, die unsere Kundschaft im Backend ärgern, Dinge, die uns beim Arbeiten mit dem Block Editor auffallen. Zuerst suchen wir auf core.trac.wordpress.org nach bestehenden Tickets und arbeiten von dort aus weiter.

Manchmal teilen wir uns auf: Designer in einer Gruppe, Entwickler in der anderen. Manchmal packen wir alle gemeinsam ein einzelnes Problem an. Das Ziel ist es, dabei zu sein und als Team kleine, aber konkrete Beiträge zu leisten.

Ergebnisse erzielen, Props bekommen

Vor unserem allerersten internen Contributor Day hatte ein neues Teammitglied noch nie einen Beitrag zu WordPress.org geleistet. Also haben wir mit etwas Einfachem begonnen: ein Foto ins WordPress Photo Directory hochladen. Und schon tauchte das erste Badge im Profil auf.

Wer diesen Moment schon erlebt hat, kennt das Gefühl, das danach kommt.

Die Plattform ist nicht mehr etwas, das einfach so passiert.
Sie wird zu etwas, an dem man aktiv teilhat.

Ein weiteres konkretes Beispiel aus dem letzten Jahr: Eine Kundin brauchte einen Accordion-Block für einen FAQ-Bereich. Wir hatten bereits unser eigenes Plugin, aber WordPress 6.9 sollte den nativen Accordion Block einführen. Also haben wir gesagt: Lass uns auf den Release warten und es ausprobieren! Die Kundin hat das getan und kam mit konkretem und wertvollem Feedback zurück. Wir haben es an unserem nächsten internen Contributor Day aufgegriffen und dabei gleich weitere UX-Verbesserungen gefunden:

  • Ein neuer Outline-Style für Accordion Blocks
  • Fokus- und Auswahlrahmen in verschachtelten Akkordeons
  • Fehlerbehebung: Wird in einem leeren Absatz Enter gedrückt, verlässt man den Accordion nun korrekt
  • Verbesserte Tastaturnavigation zwischen der Überschrift und dem Panel

Mit dem Release von WordPress 6.9 haben wir ausserdem den Upload-Button verbessert, veraltetes CSS aufgeräumt und mehrere Issues geschlossen (oder zu deren Lösung beigetragen).

Zum ersten Mal in einem Release haben alle im Team «Props» erhalten, also offizielle Credits in den Release Notes. Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit. Ist es aber nicht.

WordPress-Versionshinweise mit den Namen aller beteiligten Teammitglieder
Auszug aus den Danksagungen zu WordPress 6.9

Warum es sich lohnt

Aus unseren regelmässigen Contributor Days haben wir vier Dinge gelernt:

  1. Beständigkeit ist besser als Spontaneität:
    Sporadische Beiträge sind gut, aber ein monatlicher Rhythmus hat eine andere Wirkung, auf das Team, auf die Qualität und auf den Einfluss.
  2. In echten Projekten tauchen Fehler auf, die bei isolierten Tests nicht entdeckt werden:
    Unsere Kunden nutzen WordPress auf eine Weise, die in Testumgebungen nicht vollständig reproduzierbar ist.
  3. Anerkennung (Props) motiviert:
    Wenn das Team sieht, dass die eigene Arbeit im offiziellen Release-Post erwähnt wird, bleibt das haften. Es zeigt, dass die Arbeit zählt.
  4. Gemeinsames Arbeiten macht Open Source greifbar: Wenn man sich Open Source Contributions als Teamsport statt als Einzelaufgabe vorstellt, verändert das die Sichtweise des Teams auf seine Beziehung zu WordPress.

Fazit: Nimm dir die Zeit, dann kommt der Rest von selbst

Das grösste Hindernis für Beiträge in einer Agentur ist weder mangelndes Wissen noch mangelndes Interesse. Es ist eine Frage der Prioritäten. Die Arbeit für Kundschaft gewinnt immer, wenn man ihr den Raum lässt.

Wer eine Agentur führt und sich fragt, wie man anfangen soll: Fang klein an. Ein halber Morgen pro Monat. Ein Foto hochladen. Eine Übersetzung vervollständigen. Ein Ticket testen. Das reicht als Anfang.

Die Community unterstützt uns schon seit 13 Jahren. Diese Zeit ist gut investiert.